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Frieden, intergalaktisch …

Neben ESA auch ESMA: Toulouse, europäischer Weltraumstandort, ist für gute Animationsfilme bekannt – die Kunsthochschule École Supérieure des Métiers Artistiques (ESMA) zeigt Absolventenarbeiten in ihrem YouTube-Kanal. Natürlich musste man sich dort auch mal mit galaktischen Begegnungen der anderen Art beschäftigen … Der Animations-Kurzfilm ASTERIA (2016) nimmt mit viel Spaß den typisch hegemonialen Gestus der Raumfahrt aufs Korn. Mit einigen Zitaten aus der SciFi- Spielfilmkultur gibt es hier ganz nebenbei auch etwas zum Nachdenken über interkulturelle Verständigungsprobleme.  Überraschung: Die eigenen Absichten müssen nicht zwangsläufig identisch sein mit denen der Anderen Aliens! [h5p id=”24″] Der originalsprachlich französische 4min51-Film  – gem. §60a (2) UrhG als Werk “geringen Umfangs” unter Beachtung der YouTube-Nutzungsbedingungen “vollständig” in Unterricht und Lehre verwendbar – auf YouTube auch mit engl. Untertiteln – wird als h5p -Lernelement (Typ interactive video) deutsch untertitelt.

Kurz vor der unvermeidlich scheinenden Eskalation ist er für Sekundar-II-Zielgruppen mit einer Reflexionsphase unterbrochen. Das hat nicht nur dramaturgisch einiges für sich, denn:

  •  (nicht nur) für christliche Ethik selbstverständlich scheint eine reziproke Grundannahme: “Liebe Deinen Nächsten – er ist wie Du” (so übersetzt der jüdische Philosoph  Martin Buber das Gebot der Nächstenliebe) “Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch” (die “Goldene Regel” bei Jesus in der Bergpredigt)
  • Was aber, wenn die Anderen wirklich anders sind und sie ganz andere Absichten haben wie wir selbst? Verständigung ist noch viel schwerer zu erreichen, wenn wir Andere nicht einmal verstehen können. Welche Strategien müssen zunächst greifen, um dann den christlich gebotenen Friedensauftrag (Jahreslosung 2019!) zu erfüllen zu können?

Der Film lebt vom Kontrast des gewohnten geopolitischen “Wettlaufs im Weltraum” (vgl. Kalter Krieg) zur überraschenden Absicht der Alien-Kultur,  einfach nur angenehm “interstellar” Golf zu spielen.  Es bleibt allerdings zu fragen, ob dieser Standpunkt “oberhalb” menschlicher Zivilisation vielleicht auch eine zynische bzw. menschenverachtende Note enthält: Lebensräume sind nur “Spielball” überlegenen Luxus-Vergnügens der Mächtigen – andererseits ist das womöglich ein getreues Spiegelbild der Wirklichkeitswahrnehmung der Oberschicht in westlichen Industrienationen.

Der Film entfaltet seine kritische Aussage zum weltpolitischen Kontext (“America first!”) erst ganz am Schluß – es lohnt sich also nicht nur, ihn ganz zuende zu sehen, sondern auch die Schlußsequenz zum ganzen Film in Beziehung zu setzen.

Bildungsplanbezüge Baden-Württemberg 2016: “Friedensstrategien“, “Konfliktbewältigung und Interessensausgleich” (Leitperspektiven BNE und BTV). REV GY Kl. 11/12: Die Schüler*innen können “im Zusammenhang einer pluralen Gesellschaft einen eigenen Standpunkt zu religiösen und ethischen Fragen einnehmen und ihn argumentativ vertreten” (Prozessbezogene Kompetenzen, TK 2.3.2), “unterschiedliche Zugänge zur Wirklichkeit … aufzeigen, anhand eines ethischen Konfliktfeldes … biblische Gerechtigkeitsvorstellungen entfalten” (3.4.2 Welt und Verantwortung, TK 1+2, mögliche Fachbegriffe: Hermeneutik; Wahrheit und Wirklichkeit; Komplementarität; Konstruktivismus; messianisches Friedensreich; … Eschatologie; Utopie)

Bildquellen:

Michael Beisel

Pfr. Michael Beisel ist Lehrkraft für Evang. Religion am Beruflichen Bildungszentrum Ettlingen.

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