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Chat-Geschichten erstellen

Auch in der Medienpädagogik gilt: Geschichten, Narrative und Erzählungen prägen unsere Lernerfahrungen unmittelbar und tiefgreifend. Was früher in mündlicher Überlieferung, dann gedruckt und schließlich in Ton, Film und Computerspielen möglich war, lässt sich nun mit den neuen Kulturtechniken des Webs und mit Apps auch einfach selbst produzieren. Eine Erzähltechnik hierfür sind Chat-Geschichten (engl. chat stories).

Medienpädagogisch lässt sich vieles rausholen: Dialogische Inszenierung bekannter und neuer Texte, Imaginierte Selbstreflexion mit virtuellem Gegenüber, Geschichten in Gesprächsform, Frage-Antwort-Chats zur Wissensvermittlung, spannungsgeladene Fiktion, Feedback-Schleifen als Lernreflexion, Lovestory, …

Und wie erstellt man Chat-Geschichten ganz praktisch und möglichst kostenlos?
Ich habe mir ein paar Möglichkeiten angeschaut und stelle euch hier die praktikabelsten vor:

textingstory – Chat-Geschichte als Film

Textingstory gibt’s als App für iOS und Android. In der kostenlosen Version kann man die Namen und Farben der Chatpersonen ändern, Text und Emojis verwenden, die Geschichten speichern und direkt aus der App heraus als fertigen Film exportieren.

Für eine schnelle Produktion geht das unkompliziert und man muss lediglich die Werbeeinblendung „textingstory.com“ in Kauf nehmen. Wer also damit leben kann, dass es nicht nach WhatsApp oder Instagram aussieht ist hier gut bedient. Wer zusätzlich noch Bilder oder GIFs einbinden will, kann dies durch einen InApp-Kauf freischalten, ebenso wie das Ausblenden des Werbebanners.

Fake Chat – Chat-Geschichte als Foto

Es gibt zahlreiche Fake-Chat-Generatoren für WhatsApp, iMessage, instagram, facebook und Co. Eine Suche nach „fake chat generator“ bringt die nötigen Treffer. Beispielsweise bietet http://www.fakewhats.com/generator einen WhatsApp Chat Generator, mit dem sich täuschend echte WhatsApp-Gespräche erstellen lassen:

Einstellbar ist alles, was das Herz beliebt: Profilfotos, Namen, Nachrichtenstatus, Telefon- und Verbindungseinstellungen und sogar die Batterieanzeige. Die Nachrichten können sowohl in Textform geschrieben werden also auch Foto- und Gif-Upload sind möglich. Im Anschluss kann ein Foto des Bildschirminhalts heruntergeladen werden.

Selbstgemacht – Chat-Geschichte für Fortgeschrittene

Wer gerne etwas mehr Aufwand betreiben will und mit mehreren Personen gleichzeitig und in Einzel- und Gruppenchats eine komplexere Geschichte erzählen will, kann auch ein mobiles Endgerät am Computer anschließen und mit einem Screenrecorder aufnehmen. Diese Variante bietet sich auch für eine Live-Veranstaltung an, bei der eine Geschichte entweder über einen Film oder direkt live mit den Anwesenden auf einer Leinwand für alle sichtbar wird. Hierzu braucht es dann mehrere Accounts und Smartphones:

Ganz ohne Smartphones funktioniert diese Variante auch auf einer Weboberfläche mit einem kostenlosen Messenger wie wire oder Telegram und der kostenlosen Open-Source-Software für Videoaufnahmen und Live-Streaming OBS Studio.
Eine Anleitung für WhatsApp hat Lutz Neumeier hier als PDF bereitgestellt.

Chat-Geschichten weitergedacht

Wenn du ein paar Inspirationen für deine Chat-Geschichten brauchst, findest du in den Apps taphooked und yarn interaktive Chat-Geschichten, bei denen sich die Handlung durch Weitertippen entwickelt.

Hast du noch weitere Ideen zu Apps und Webdiensten für digitale Chat-Geschichten und Varianten oder Links zu deinen selbsterstellten Chat-Geschichten? Dann schreib‘ sie bitte gerne in die Kommentare!

 

Dieser Artikel steht unter der CC BY 3.0Creative Commons Namensnennung 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Jörg Lohrer für medienpaedagogik-praxis.de

Jörg Lohrer

Leitungsteam rpi-virtuell am Comenius-Institut Münster. Kontakt: Mail, Twitter

5 Gedanken zu „Chat-Geschichten erstellen

  • Pingback:DIGITAL: Medienwelten der Schülerinnen und Schüler | Bob Blume

  • 12. Februar 2018 um 16:10
    Permalink

    Wie wär’s mit “Bibliochat”? Vor Jahren habe ich auf rpi-virtuell damit experimentiert. Dabei nehmen die (biblisch vorgebildeten) Chatter die Rollen biblischer Figuren ein und schreiben bekannte biblische Geschichten in Dialogform nach.

    Abraham: Sara, ich muss dir was erzählen …
    Sara: Hat dein “Gott” sich gestern Nacht etwas schon wieder gemeldet???
    Sara: Etwa wieder die Sache mit dem Kind?
    Abraham druckst verlegen rum.
    Abraham: Hör’ Sara, Gott war gestern Nacht irgendwie da und hat gesagt, wir würden ein großes Volk werden, du und ich –
    Sara: Jetzt hör’ endlich auf damit, Abram! Ich bin steinalt – und du erst!

    Damals bestand das technische Problem darin, dass es nicht möglich war, im Chat tatsächlich die Namen der biblischen Figuren als Verfasser der Beiträge auftauchen zu lassen.
    Hat jemand eine Idee, wie sich das mit heutigen Apps realisieren ließe? Es müsste halt so sein, dass immer wieder andere Schreiber diese Namen nutzen könnten …. bzw. man in einem Bibliochat-Raum sich unkompliziert vorübergehend mit einem biblischen Namen anmelden könnte.

    LG!
    Daniel

    Antwort
    • 12. Februar 2018 um 16:57
      Permalink

      Der obenstehende Artikel beschreibt verschiedene Varianten davon, wie man die Namen von biblischen Figuren auftauchen lassen kann und dass auch kollaborativ Skripte erstellt werden. Oder trifft es das noch nicht so ganz für dich, Daniel?

      Antwort
  • 12. Februar 2018 um 22:19
    Permalink

    Das Video unter “Selbstgemacht – Chat-Geschichte für Fortgeschrittene” zeigt im Prinzip das, was ich meine. Ich finde allerdings nicht so sehr die fertige Geschichte interessant, sondern das Teilnehmen am Prozess der Entstehung – unabhängig davon, ob es dann gefilmt wird oder nicht. Die aktive Teilnahme ist m.E. (bibel)didaktisch auch viel wertvoller.
    Daher die Frage nach einem Chat-Modul, in das man sich (mit ein paar Freunden oder einer Schülergruppe) einwählen kann, um dann in einem digitalen “Vorbereitungsraum” die zur Verfügung stehenden Rollen zu verteilen (hier z.B. Maria, Josef, Jesus, Mitreisende, Schriftgelehrte) und in den Rollen mit dem Chat zu beginnen.

    LGD

    Antwort
    • 19. Februar 2018 um 8:33
      Permalink

      Eine Idee, wie man den digitalen Raum von Twitter in strukturierten Gesprächen bespielen könnte hat @ma_y hier für den Ethikunterricht beschrieben: http://frauschuetze.de/?p=7168

      Antwort

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