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Open Educational Resources – OER: Die Evolution einer neuen Lernkultur im offenen Kurs COER13

Sprache, Schrift, Buch, Internet

Es können – mit dem Kulturheoretiker Dirk Baecker gesprochen – vier großen Medienepochen der Menschheitsgeschichte beschrieben werden: Die tribale Sprachkultur, die antike Schriftkultur, die moderne Buchdruckkultur und die nächste Computerkultur.

CC BY-NC patriziasoliani http://flic.kr/p/9cdcrp
CC BY-NC patriziasoliani http://flic.kr/p/9cdcrp

Jedes Medium ist eng mit dem verbunden, wie sich die Gesellschaft organisiert und Bildung versteht. Dabei greift jede Gesellschaftsform auf die Mechanismen und Errungenschaften der vorherigen Epoche uneingeschränkt zurück, nimmt sie auf und bildet mit den vorangegangenen Medien die nächste Gesellschaft:

  • “Die Stammesgesellschaft ordnet die Risiken der mündlichen Kommunikation durch eine Rückversicherung in den Evidenzen der Wahrnehmung.
  • Die antike Gesellschaft lässt die Einführung der Schrift zwar zu, beschwört jedoch zugleich das Gespräch als das wichtigste Medium der Verständigung.
  • Die moderne Gesellschaft lässt sich auf Masseneffekte der Verbreitung von Büchern, Zeitschriften, Zeitungen und Flugblättern ein, die durch keine Autorität mehr zu kontrollieren sind, pflegt jedoch zugleich eine penible Hermeneutik des Schreibens und Lesens, als käme es auf jedes einzelne Wort noch an. 
  • Die nächste Gesellschaft verankert ihre Experimente mit den Rechenprozessen der vernetzten Computer ausgerechnet in jenen Sozialen Medien, die nach dem Muster der Tageszeitung, doch unter Mitarbeit von Jedermann, Nachrichten, Werbung und Unterhaltung kaum noch unterscheidbar aufeinander beziehen und auseinander entwickeln.” Dirk Baecker

Freie Lehr- und Lernmedien – Open Educational Resources (OER)

CC BY Jonathas Mello
CC BY Jonathas Mello

Wir stehen also möglicherweise am Beginn einer globalen Veränderung, welche die Art und Weise auf die wir lehren und lernen grundlegend verändern wird. Doch anders als die Sprache und die Schrift sind die gedruckten Worte der vorangegangenen Epoche kein Gemeingut. Zumeist haben wir es mit einem urheberrechtlich  geschützten Medium zu tun mit dem sich – auch zu Bildungszwecken – nicht frei hantieren lässt.

Eine Schlüsselfunktion kommen daher freien Lehr- und Lernmedien – Open Educational Resources (OER), zu. Sie sind offen zugänglich, können weiterbearbeitet und weitergegeben werden und stehen unter einer freien Lizenzierung, die genau dies ausdrücklich ermöglicht. Das Potential freier Lehr- und Lernmedien (OER) liegt nach Prof. Leonhard Dobusch in:

  • besserem Zugang zu digitalen Lernunterlagen für sämtliche Akteure, inklusive der Möglichkeit zum Selbststudium und neuen Lernformen wie großzahligen und zertifizierten Online-Lernangeboten (MOOC).

  • besserer Nutzbarkeit von digitalen Lernunterlagen, weil die Klärung von Rechten durch die Verwendung von offenen Lizenzen (z.B. Creative Commons) radikal vereinfacht wird.

  • besserer Vergleichbarkeit digitaler Lernunterlagen für Lehrende, Lernende, Eltern und Politik.

  • einfacherer Kombinierbarkeit verschiedener Lernunterlagen und damit verbunden die Verbesserung der Lernerfahrung.

  • Verbesserung der Qualität von Lernunterlagen durch mehr Möglichkeiten zu Feedback und Remix verschiedener Lernunterlagen. Damit verbunden ist das Potential für vermehrte didaktische Innovation.

  • Mehr qualitätsorientierter Wettbewerb, vor allem im derzeit oligopolistischen Markt für Schulbücher.

Aktuelle Entwicklungen und der offene Online-Kurs COER13:

  • Polens Regierung setzt auf OER: Mit 11.5 Millionen Euro werden vollständig frei verfügbare Unterrichtsmaterialien für die Klassen 4 bis 6 entwickelt.
  • Deutschlands Kultusministerkonferenz und das Bundesministerium für Bildung hatten im vergangenen Oktober zu einer Expertenkonsultation OER nach Berlin eingeladen. In einer ersten Konsequenz ist nun durch ein Abkommen mit dem Verband der Bildungsmedien seit dem 1.1.2013 auch die Verwendung von digitale Schulbuchkopien im Unterricht erlaubt.
  • In einem drei Jahre angelegten Forschungsprojekt zu “Bildungsmedien online” der Universität Augsburg wurde ein Materialzuwachs der digitalen Bildungsmedien von knapp 70% innerhalb nur eines Jahres festgestellt. rpi-virtuell wurde in den ersten Abstracts der Studie als “größter Anbieter in kirchlicher Trägerschaft” identifiziert.
  • Am 8. April 2013 startet der erste deutschsprachige offene Online-Kurs COER13. Ziel des Kurses ist es, einen umfassenden Überblick über Theorie und Praxis von OER zu bieten. Dies umfasst sowohl grundlegende Informationen zu OER und bestehenden Initiativen als auch praxisrelevante Informationen für Lehrende und Lernende, die OER nutzen oder produzieren wollen. Dabei soll immer der Bezug zur Praxis gewährleistet werden, durch viele konkrete Beispiele und Hinweise erfahrener Praktiker – nicht zuletzt aber auch durch die aktive Mitgestaltung durch die Teilnehmenden.
    Der Kurs richtet sich an Personen,

    • die daran interessiert sind, OER zum Lernen oder Lehren zu nutzen,
    • die daran interessiert sind, eigene Materialien anderen als OER zur Verfügung zu stellen,
    • die sich einen Überblick über das Thema OER verschaffen sowie bestehende Initiativen und Projekte kennenlernen möchten,
    • die Erfahrungen im Bereich OER haben und Lust haben, diese vertiefend zu diskutieren.

    Der Kurs

    • ist offen für alle Interessierten,
    • bietet die Möglichkeit sich aktiv zu beteiligen (mehr dazu unter Wie funktioniert’s? und unter Räume),
    • ist in eine Einführungswoche, fünf thematische Einheiten und eine Abschlusswoche untergliedert und behandelt die Themen im Zwei-Wochen-Rhythmus (mehr dazu unter Programm).

Sehen wir uns beim COER13?
coer13

 

Jörg Lohrer

Leitungsteam rpi-virtuell am Comenius-Institut Münster. Kontakt: Mail, Twitter

4 Gedanken zu „Open Educational Resources – OER: Die Evolution einer neuen Lernkultur im offenen Kurs COER13

  • 8. April 2013 um 23:36
    Permalink

    Fun Fact: das UNESCO #OER Logo steht unter CC-BY-Lizenz. Das heißt, Dir fehlt die Nennung des Urhebers ^^

    Antwort
    • 9. April 2013 um 8:26
      Permalink

      Danke, Anja. Habe ich gleich nachgeholt. Name und Lizenz waren eingetragen, allerdings bei WordPress unter “Alternativer Text” anstatt bei “Beschriftung”. Flüchtigkeitsbetrug 😉

      Antwort
      • 10. April 2013 um 1:50
        Permalink

        Das ist eine der (wenigen) Unzulänglichkeiten der CC-Lizenzen. Und des deutschen Urheberrechts, hier gibt es kein CC-0.

        Antwort
  • Pingback: #COER13 – Startwoche | ma.y2

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