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Die aktuelle Richtungsanzeige der EKD „Religiöse Bildungsbiografien ermöglichen“ plädiert „für eine stärkere, nämlich eine vernetzende Steuerung evangelisch verantworteter Bildungsarbeit“ und markiert 15 Reflexionsperspektiven und Prüfsteine. Die ersten vier dieser Reflexionsperspektiven und Prüfsteine werden aufgenommen, um das relilab, welches rpi-virtuell als Vernetzungsinstrument nutzt, vorzustellen. Nachfolgend werden einige Beteiligungsmöglichkeiten, mögliche Zielperspektiven und Merkmale der konzeptionellen Struktur des relilab auf die Richtungsanzeige der EKD hin reflektiert und wo möglich geprüft:

1. Wahrnehmung der (potenziell) Teilnehmenden

In der Logik der Teilnehmenden, die sich im Kontext selbstverantworteter religiöser Bildung auch gerne als TeilGebende verstehen, gibt das relilab nicht nur die Möglichkeit, Erfahrungen mit einem Angebot zurückzuspiegeln, sondern eröffnet gleichzeitig einen Gestaltungsraum für die persönliche Weiterentwicklung.
Neben Selbstlernmodulen, offenen und kostenfreien Vortragsaufzeichnungen, synchronen und asynchronen Veranstaltungen und der Bereitstellung barrierefreier und digitaler Werkzeuge, haben die TeilGebenden vor allem die Gelegenheit, selbst initiativ zu werden, eigene Arbeitsvorhaben gemeinsam mit anderen zu realisieren und dabei selbstgesteuert und im eigenen Tempo zu lernen.

2. Relevanzprüfung

Die „Kultur der Digitalität“ fordert sowohl den Religionsunterricht als auch die Gemeindepädagogik auf besondere Weise heraus und bietet neben neuen Möglichkeiten und Perspektiven auch eine Erweiterung von Handlungskompetenzen und Reflexionsmöglichkeiten. Das relilab intendiert hierbei einen offenen Begegnungs-, Beratungs- und Fortbildungsraum für eine zeitgemäße Religionspädagogik unter den Bedingungen der Digitalität. Das Zentrum für angewandte Pastoralforschung an der Ruhr-Universität Bochum nominierte das im September 2021 gestartete relilab bereits im Oktober für den zap:innovationspreis. In seiner Laudatio führte Jurymitglied Johannes von Schmettow aus: „relilab ist ein Startup, das aus dem Zusammenschluss mehrerer Initiativen entstand und eine Plattform für Religionslehrer:innen bietet. relilab wird von einem sehr kollegial arbeitenden Kernteam geführt und weiterentwickelt und ist auf dem besten Wege, sich für seine ‚Bewohner:innen‘ in die natürliche Heimat in der digitalen Welt zu entwickeln.“ Während die Richtungsanzeige deutlich macht, dass „die Digitalisierung eine noch unbewältigte Schlüsselherausforderung religiöser Bildung darstellt“, wird diese von den Beteiligten im relilab bereits als re-levant (im Wortsinn entgegen-gehoben) erlebt und erfahren.

3. Bezugnahme auf die Bildungsbiografie und deren Förderung

„Das relilab versammelt engagierte Christ:innen, lässt sie im Digitalen miteinander arbeiten und kommunizieren und gibt ihren (auch berufsbezogenen) Spiritualitäten Resonanz.“ So begründete die Frankfurter Professorin für Religionspädagogik und Mediendidaktik Viera Pirker, die das relilab für einen Innovationspreis einreichte, ihren Vorschlag und führte weiter aus: „Zudem beschränkt sich das relilab inhaltlich nicht auf den Religionsunterricht, sondern bietet auch Impulse für die Gemeindepädagogik/Katechese sowie die seelsorgliche, diakonische und liturgische Praxis. Es bietet der außerschulischen Arbeit in den Gemeinden im relilab den Raum zum Austausch, zur Vernetzung und zur kollegialen Kooperation. […] So zeigt sich das relilab als zukunftgerichtetes Projekt über die Grenzen des einzelnen Christen bzw. der einzelnen Christin und einzelnen Institutionen hinaus.“ Hier wird deutlich, dass das relilab als offenes Fort- und Weiterbildungsangebot so wahrgenommen wird, dass es Bildungsbiografien von Teilnehmenden wahrnimmt, diese im Medium christlicher Religion fördert und damit religiöse Bildungsbiografien ermöglicht, die sich zunehmend in einer Netzwerkgestalt von Kirche realisieren.

4. Vernetzung

Das relilab selbst ver- steht sich als deutschsprachiges Netzwerk für die religiöse Bildung. In der wachsenden Kooperation evangelischer und katholischer Träger und Institutionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit den schulischen Fortbildungsinstituten der Länder entstehen übergreifende Kooperationen in gegenseitiger Anerkennung. Die institutionelle Rahmung unter anderem durch ein „Memorandum of Understanding“ zwischen dem Comenius-Institut und der Universität Luzern sowie die Eintragung der Wortmarke relilab durch das Comenius-Institut beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) zielen auf Kontinuität und Nachhaltigkeit. Getragen wird das relilab von einem heterarchischen Netzwerk, das grundsätzlich allen offen steht und darauf setzt, Teilnehmende und Interessierte zu Beteiligten zu machen. Auch bei Entscheidungsprozessen setzt das relilab nicht auf Hierarchie und Abstimmungen, sondern auf die gemeinsame Suche nach der besten Option.

Impulse zur Steuerung evangelischer Bildungsarbeit

Es wäre noch vieles mehr zur Richtungsanzeige und relilab hinsichtlich weiterer Kriterien wie Pluralitätsfreundlichkeit, Empowerment und Erfahrungsbezug, Einladungscharakter und Transparenz auszuführen. Allerdings sind sowohl EKD-Text als auch Website offen und öffentlich im Internet unter https://t1p.de/richtungsanzeige und https://relilab.org erschließbar. Beide machen sich den Ruf nach einer modifizierten Logik gemein, der die Organisation, die Themenfindung und die didaktische Konzeption evangelischer Bildungsarbeit folgen kann und soll: der biografischen Logik. Wenn Bildungsarbeit in evangelischer Verantwortung dieser Logik folgt, wird sie individueller und pluraler, vernetzter und uneigennütziger, mutiger und experimenteller. Der zeitgleich mit diesem Beitrag erscheinende Arbeitsbericht des Comenius-Instituts nimmt weitere Bezüge auf und zeigt, wie rpi-virtuell die vernetzende Konzeption des relilabs mit angebahnt hat: https://comenius.de/publikation/oa_arbeitsberichte/

Standardbild
Jörg Lohrer
Artikel: 816

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