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Algorithmenethik: Wen darf die künstliche Intelligenz töten?

“Eine Aufrechnung von Opfern ist untersagt.” so lautete noch eine ethische Regel für den automatisierten und vernetzten Fahrzeugverkehr der Ethikkommission im Juni 2017. Doch das MIT (Massachusetts Institute of Technology) befragt bereits seit dem Jahr 2004 Millionen von Menschen in 233 Ländern zu ihren moralischen Präferenzen und hat nun 40 Millionen Entscheidungen ausgewertet und am 24. Oktober 2018 die Ergebnisse der “Moral Machine” veröffentlicht.

Ein Entscheidungsdilemma der “Moral Machine

Zuerst fasst die Studie die globalen moralischen Präferenzen zusammen. In einem zweiten Schritt werden individuelle Präferenzunterschiede dokumentiert, die auf der Grundlage der demografischen Daten der Befragten ermittelt wurden. Die Studie berichtet über interkulturelle ethische Unterschiede und deckt dabei drei große Cluster von Ländern auf. Diese Unterschiede werden mit modernen Institutionen und grundlegenden kulturellen Eigenheiten korreliert. Auf dieser Grundlage soll dann diskutiert werden, wie diese Präferenzen zur Entwicklung globaler, sozial akzeptabler Prinzipien für die Maschinenethik beitragen können. Alle in der Studie verwendeten Daten sind öffentlich zugänglich.

Ergebnisse für Deutschland – MORAL MACHINE

 

Die Forschung stellt somit eine ähnliche Frage wie das bekannte philosophische Dilemma, das als “Trolley-Problem | Weichenstellerfall” bekannt, ein Gedankenexperiment in zwei Teilen, das auf den deutschen Rechtsphilosophen Hans Welzel (1951) zurückgeht und uns die zwei wichtigsten Theorien der Moral näher bringt: Utilitarismus und Pflichtethik:

“Die neuen Technologien bringen ethische, psychologische und politische Fragen mit sich, die noch gestern völlig unverständlich gewesen wären: Wer wird die Todesalgorithmen in unseren Autos programmieren?” fragte sich bereits 2017 Roberto Simanowski in seinem Artikel “Der Todesalgorithmus” in der ZEIT 

Was ist (mein) Leben wert? – Eine Frage, die sich für den Religionsunterricht nicht nur im Blick auf Bioethik und Urteilsbildung sondern zunehmend auch in technischer Hinsicht immer wieder neu stellt. Die aktuellen Debatten zur künstlichen Intelligenz und Algorithmenethik bieten somit vielfältige Herausforderungen für Lernprozesse im Religionsunterricht.

Bildquellen:

Jörg Lohrer

Leitungsteam rpi-virtuell am Comenius-Institut Münster. Kontakt: Mail, Twitter

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