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Warme Herzen für den Religionsunterricht

Ich hatte ziemlich fest mit einer Absage der Veranstaltung gerechnet. Es betraf die geplante Reise nach Paderborn am 3. März 2018. Dort sollte eine große „Auftaktveranstaltung“ stattfinden. Der DKV, Deutscher Katecheten-Verein, die größte katholische Religionslehrer-Vereinigung in Deutschland, hatte zu einer öffentlichen Werbekampagne aufgerufen, mehr dazu hier: http://www.darum.info/  Es ging darum, den Religionsunterricht mal in die Mitte zu rücken, denn allzu oft leidet dieses Schulfach unter einer Randsituation. Für so ein Vorhaben setze ich mich gerne in den Zug und reise nach Paderborn. Aber bei Minusgraden, die gefühlt bis in den zweistelligen Bereich gingen? Nein, es kam keine Absage der Veranstaltung.

Also: mehrere Kleidungsschichten anziehen und dann auf nach Paderborn. „Wahrscheinlich haben sie ein Zelt auf dem Marienplatz aufgebaut, und da gibt es auch eine Heizung“, so ermunterte ich mich selbst und den mitreisenden jungen Freund A. Aus dem Zug heraus richtete ich diese Erwartung auch per Twitter an die Veranstalter. Keine Antwort.

Auf dem Marienplatz bauten DKV-Aktivisten aus Paderborn, Münster und anderswo riesige Lautsprecher auf. Auch ein Klassenzimmer mit Schultafel war hergerichtet. Kein Zelt, das ein wenig gegen Wind, Kälte und Schneefall geschützt hätte. Vermutlich wollten die Veranstaltenden auch damit zeigen, dass zwischen Himmel und Religionsunterricht eine Verbindung besteht, die man durch nichts trennen sollte! Die Hip-Hop-Gruppe Capo di Capi (Christlicher Rap/ www.capodicapi.de) heizte wenigstens mit ihren Songs kräftig ein. Auch zahlreiche Passanten blieben für einige Zeit stehen und lauschten der anregenden Musik. Etliche von ihnen hatten keine Chance, dem profihaften Interview-Wunsch von Moderator Michael Wedding zu entgehen. Bewaffnet mit Mikrofon sprach er viele Leute an und informierte über den Zweck der Veranstaltung. Die eigene Meinung zu Religion in der Schule wurde auch artikuliert. Und ganz hart `Gesottene` ließen sich von ihm sogar in die aufgebauten Schulbänke führen.

Dreimal klingelte es zur Unterrichtsstunde (die aber kürzer waren …) Lehrer Oliver Reis fand tatsächlich SchülerInnen vor – aller Altersklassen – , die seinen RU besuchten. Zunächst inszenierte Oliver Reis eine Schulstunde wie vor 60 Jahren. Er prägte allen Anwesenden ein, dass die katholische Kirche die allein seligmachende sei und dass man alles Lebenswichtige aus dem Katechismus lernen sollte. Lag es nur an der Kälte, dass kein Widerspruch kam …? Die zweite Unterrichtsstunde habe ich geschwänzt. Aufwärmen im Café war angesagt!
Bei der dritten Unterrichtssequenz gab es sogar hohen Besuch: Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, Vorsitzender der Kommission für Schule und Erziehung der Deutschen Bischofskonferenz, setzte sich in die letzte Reihe. Eine pink-farbene Wolldecke gab ein wenig Kälteschutz. Inzwischen wechselte Lehrer Reis das Unterrichtskonzept und veranstaltete eine Stunde über eine Wundererzählung. Die SchülerInnen sollten die biblische Erzählung nach den Methoden von Gerd Theissen (evangelisch!) analysieren und dazu noch Kompetenzen erwerben! Welche genau, das konnte der Kälte wegen von mir nicht wahrgenommen werden.

Die Sängerin Debby van Dooren erwärmte die Herzen der tapfer ausharrenden Zuhörer mit einem ergreifenden Lied „Pray“. Für das Wetter hat es nicht direkt Wirkung gehabt. Aber so ist das ja manchmal mit Gebeten!

Am Rande gab es noch so manche Begegnung und auch viele Gespräche, welche diese Auftaktveranstaltung begleiteten. Es steht mir nicht zu, ein Gesamt-Resümee zu ziehen. Dazu sind meine Eindrücke zu singulär und wettergeprägt. Außerdem gönnte ich mir doch mehrere Wärmepausen im Café. Und doch bin ich froh, dass die Veranstaltung stattgefunden hat. Zwar wurden längst nicht so viele Menschen erreicht, wie wohl ursprünglich beabsichtigt. Ich habe in Paderborn ein hoch aktives Team von engagierten Religionslehrkräften erlebt. Dieses Team wurde nicht nur von der gemeinsamen Sache, sondern sogar von der Kälte zusammengeschweißt. Da kann ich nur die Mütze ziehen und Achtung zollen.

Liebe DKV-Freunde, zu Euch komme ich gerne wieder. Ihr seid mir sehr ans Herz gewachsen!

Manfred Spieß
Oldenburg

Links: Marion Schöber, die Vorsitzende des DKV, rechts Tobias Weismantel, Geschaftsführer des DKV

Aktive und Zuhörende am Marienplatz in Paderborn

Michael Wedding auf der Suche nach dem nächsten Interviewpartner

Die erste Schulklasse, alles ältere Semester. Die halten aber noch was aus …!

 

Prof. Dr. Dr. Oliver Reis, den kann nichts erschüttern, mit spitzbübischem Lächeln …

… denn gleich nimmt er den Erzbischof dran (pinke Decke).

Fotos: M. Spieß

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Dr. Manfred Spieß, Oldenburg

Twitter @matjes49

Sprecher der Religionsunterrichtskommission der AEED

www.aeed.de

 

Bildquellen:

  • plakat-724×1024: Manfred Spieß
  • schöber-weismantel: Manfred Spieß
  • Mitwirkende: Manfred Spieß
  • Michael-Wedding: Manfred Spieß
  • Schule: Manfred Spieß
  • lehrer: Manfred Spieß
  • erzbischof: Manfred Spieß

Manfred Spiess

Dr. Manfred Spieß hat viele Jahre in Bremen in der Schule und an der Universität gearbeitet. Schwerpunkt: Religionsunterricht. Seit 2015 als "Ruheständler" noch ein wenig an der Universität Oldenburg aktiv. Besondere Interessen: Interreligiöses Lernen sowie neue Religionsbücher für die Schule. Sprecher der Kommission Religionsunterricht der AEED. Außerhalb des Arbeitszimmers: Garten!

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