Dienste

Aktuelle Jesus-Filme

Veröffentlicht von Michael Beisel am

DVD-Cover "Auferstanden" (Risen), mit frdl. Genehmigung von Matthias-Film

Dass der Heiland fĂŒr Filmschaffende inzwischen wieder lohnend ist, zeigen aktuelle Jesusverfilmungen (2015-2016). Ein schulisches Zielpublikum ab etwa 15 Jahren kann bei den hier vorgestellten drei neuen US-Spielfilmen vergleichen: die machen sich immerhin noch die MĂŒhe – im Unterschied zu vergegenwĂ€rtigender Parodie (“Jesus liebt mich“, 2012) oder phantasy-dramatisiertem Theologisieren (“Die HĂŒtte“, 2017) – Jesus in seinem konkreten geschichtlichen Kontext aufzusuchen. Damit ergibt sich ein wichtiger Referenzpunkt  fĂŒr den Religionsunterricht – schon allein der Blick in das “Drehbuch”, die Evangelientexte, verheißt Bildungsgewinne:

  • wie gehen die Verfilmungen mit der biblischen Vorlage um (Auswahl, Weglassen, HinzufĂŒgen, Umgestalten)?
  • was erzĂ€hlen sie uns ĂŒber die LebensumstĂ€nde von damals, wo liegen Unterschiede und Gemeinsames zur Welt von heute?
  • welchen Typ des Erlösers zeigen sie uns und warum (ikonografisch: Bildertraditionen der Kunstgeschichte)?
  • worauf legen sie ihren Schwerpunkt bei der Botschaft und beim Wirken des Gottessohnes (und wie machen sie das fĂŒr heute aussagefĂ€hig)?

Inhaltsbezogene Kompetenzen im RU-Bildungsplan: Gerade, wo mehr Zeit (auch fĂŒr Projektarbeit) zur VerfĂŒgung steht, bietet sich nach dem 2016-Bildungsplan des Evang. Religionsunterrichtes dafĂŒr die Gelegenheit – im 4stĂŒndigen Neigungsfach der gymnasialen Kursstufe: SchĂŒlerinnen und SchĂŒler können im Bereich “Jesus Christus” “ausgehend von biblischen Überlieferungen die Bedeutung Jesu Christi auf” zeigen und setzen sich “mit der Rezeption der Gestalt und Botschaft Jesu Christi (zum Beispiel in Kunst, Musik, Geschichte, Literatur, …) auseinander (B.-W., TK 4). Im wesentlich kĂŒrzeren Unterricht des gemeinsamen Bildungsplans Kl. 10 am Ende der Sekundarstufe I gehören Filme beim Bereich “Bibel” ausdrĂŒcklich zu den Beispielen der “Rezeption biblischer Texte und Motive in Medien” (B.-W., TK 1) aus der Wirkungsgeschichte, die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler “beschreiben” (E), “erlĂ€utern” (M)  können und zu ihnen “kritisch Stellung nehmen” (E). Die aufgefĂŒhrten möglichen Bibeltexte erlauben mit Mt 1-2; Lk 1-2; Mt 25-28; Mk 14-16; Lk 22-24; Joh 19-21 die Auswahl von Jesu Geburt, Kreuz und Auferstehung.

DVD-Cover "40 Tage in der WĂŒste", mit frdl. Genehmigung von Lingua Video

DVD-Cover “40 Tage in der WĂŒste”

  • 40 Tage in der WĂŒste” Spielfilm, USA 2015, 95 min, FSK: 12, Regie: Rodrigo GarcĂ­a – “Jesus sucht in der WĂŒste nach Stille und Erleuchtung. In der Ödnis trifft er auch auf den Teufel, der bei dem heiligen Mann Zweifel sĂ€en will. Jesus trifft schließlich auf eine kleine Familie. Sorgen und Ratlosigkeit bestimmen den Alltag dieser Menschen. Jesus bleibt bei ihnen und wird fĂŒr sie zu einem geduldigen Zuhörer und Vermittler. Aber der Teufel lĂ€sst nicht von Jesus ab und stellt ihn vor eine schwere BewĂ€hrungsprobe. WĂ€hrend die Familie um das eigene Überleben ringt und es zwischen dem Vater und dem Sohn zu einem Streit kommt, geschieht etwas, was den Weg dieser Menschen auf einen Schlag verĂ€ndert. ” (nach: lingua-video.com, Bezugsquelle des Films mit Bildungslizenz)

Der Spielfilm legt mit z.T. bekannten Schauspielern die visionĂ€re Schilderung der Versuchung Jesu in der WĂŒste aus, die die synoptischen Evangelien gemeinsam haben (Mt und Lk ausfĂŒhrlicher). Der Satan wird als “alter ego” in der Doppelrolle des Jesusdarstellers gespielt, dazu kommt (so nicht in der Bibel) eine Handlung, die sich als eine Art “Familienaufstellung” betrachten lĂ€sst und mit ihren Themen Vaterbeziehung und SelbststĂ€ndigwerden sicherlich an schulisches Zielpublikum anknĂŒpfen kann. Eingebettet ist dieses als eine Art Kammerspiel in eindrĂŒckliche Landschaftsaufnahmen. Die theologisch-filmanalytisch gewinnbringende Erschließung der Christologie, die ihre Energie aus der auf die Probe gestellte Vaterbeziehung des Gottessohnes gewinnt, stellt die Lehrkraft in Klassen der Sekundarstufe 2 vor eine didaktische Aufgabe, zu der man sich helfende Unterrichtsmaterialien wĂŒnschen wĂŒrde. Das Medium ist zumindest mit einer Kapiteleinteilung und im Bonusmaterial mit einer Featurette  (KurzĂ€ußerungen von Schauspielern und Filmschaffenden zu ihren Intentionen) ausgestattet. Deutsche Film- und Medienbewertung: “PrĂ€dikat: wertvoll”. Filmkritik bei epd-filmdienst (24.03.2017)

 

  • Auferstanden (Risen) Spielfilm, USA 2015, 103 min, FSK: 12, Regie: Kevin Reynolds –
    DVD-Cover "Auferstanden" (Risen), mit frdl. Genehmigung von Matthias-Film

    DVD-Cover “Auferstanden” (Risen)

    “Der ehrgeizige und erfolgreiche römische MilitĂ€rtribun Clavius ist in Jerusalem stationiert. Vom PrĂ€fekten der Provinz, Pontius Pilatus wird er beauftragt, in der Hauptstadt fĂŒr Ruhe zu sorgen. So schickt er Clavius und dessen Adlatus Lucius zu einer Kreuzigung, die fĂŒr Aufruhr in der Stadt sorgt, weil einer der drei Verurteilten GerĂŒchten zufolge ein neuer König der Juden oder gar der Messias sein soll. Kurze Zeit nach dem Tod des Verurteilten macht sich das GerĂŒcht in der Stadt breit, dieser Jeshua sei wieder auferstanden. Pilatus, der auch von Kaiphas, dem Vertreter des Hohen Rates der Juden, dazu angetrieben wird, beauftragt Clavius, der Sache auf den Grund zu gehen und die verschwundene Leiche wiederzufinden. Clavius versucht, einem Detektiv gleich, Jeshua und seine AnhĂ€nger aufzuspĂŒren. Der anfangs skeptische Römer gerĂ€t durch die Begegnungen mit den JĂŒnger zunehmend in Zweifel, ob es sich wirklich nur um ein GerĂŒcht handelt. Er schließt sich den JĂŒngern an, um dieser Geschichte endgĂŒltig auf den Grund zu gehen.” (Matthias-Film, Bezugsquelle mit Bildungslizenz als DVD educativ mit Unterrichtsbegleitmaterial)

Eine im Großen und Ganzen plausibel wirkende Geschichte im Umfeld des historischen Jesus. Interessant und anregend fĂŒr den Unterricht ist die Wahl der Perspektive einer außenstehenden Person, eines römischen Tribuns als Helfer des Pilatus in der unruhigen Provinz PalĂ€stina. Dadurch kann an das Genre von Kriminalfilmen (Ermittlungsarbeit etc.) angeknĂŒpft werden. Dennoch bleiben die Konturen der Evangelienberichte ĂŒber den Heiland erkennbar, einige Elemente werden rekombiniert und umgestellt, anderes sozusagen aus der biblischen Überlieferung “extrapoliert”. Weniges wird auch aus dem spĂ€teren Traditionsverlauf eingetragen (im Einzelfall könnte das auch zu im Unterricht unbedingt auszurĂ€umenden MissverstĂ€ndnissen fĂŒhren, etwa beim Turiner Grabtuch). Die Vorab-Kenntnis zumindest der Passions- und OsterĂŒberlieferung der Evangelien ist empfehlenswert, um hier die Regiearbeit gewinnbringend einschĂ€tzen zu können. Auch Kampf- und Tötungsszenen begegnen in Actionmanier, sind aber nicht von der ausfĂŒhrlichen BrutalitĂ€t wie in Mel Gibsons “Passion of Christ” (2004). Die Filmproduktion steht unter dem Vorzeichen US-evangelikaler Mission, was im Begleitmaterial begrĂŒĂŸenswerterweise durch filmanalytische Informationen und -aufgabenstellungen aufgegriffen wird. Es arbeitet auch sonst verstĂ€rkt mit der Filmwirkungsanalyse. Mit ihr wird auch historisch-kritisches BibelverstĂ€ndnis transportiert, nĂ€mlich indem an einzelnen Figuren Vergleiche von realer Überlieferung und filmischer Fiktion angestellt werden. Die 11 Filmkapitel werden im Begleitmaterial als separate Dateien angeboten, was fĂŒr die arbeitsteilige datentrĂ€gerunabhĂ€ngige SchĂŒler*innenarbeit in Sek. II von Vorteil ist. Filmbesprechung bei Pro-christliches Medienmagazin Wetzlar (16.03.2016)

 

  • DVD-Cover “Der junge Messias”

    Der junge Messias”  Spielfilm, USA 2016, 111 min, FSK: 12, Regie: Cyrus Nowrasteh  – “Er ist erst sieben Jahre alt und doch reicht ein Wort von ihm, um einen Gegner niederzustrecken oder eine BerĂŒhrung, um Menschen ins Leben zurĂŒckzuholen. Jesus spĂŒrt schon als Kind, dass er anders ist als die anderen. Als Maria und Josef von Alexandria nach GalilĂ€a zurĂŒckkehren, heilt Jesus vor allen Augen seinen Onkel. Dieses Wunder verbreitet sich wie ein Lauffeuer und der römische Centurio Severus erhĂ€lt den Auftrag, das Kind zu töten. Jesus versteht nicht, warum er verfolgt wird und bestĂŒrmt seine Eltern mit Fragen ĂŒber die Herkunft seiner besonderen FĂ€higkeiten
” (nach:  lingua-video.com, Bezugsquelle mit Bildungslizenz).

Wie Jesus so als Kind war? Die Frage beantworten die Evangelien ja mit nur vereinzelten Legenden, und der Spielfilm nimmt sie zum Anlass, um die LĂŒcken zu fĂŒllen und eine Kindheitsgeschichte plausibel in Szene zu setzen. Obwohl das natĂŒrlich auf weiten Strecken spekulativ ist, werden doch damalige LebensverhĂ€ltnisse ungefĂ€hr zutreffend erlebbar (z.B. die Herrschaftsstrukturen oder die Einstellung zu Wundern etc. – Herodes ist ein Liebhaber der Zauberei). Die Legenden immerhin (besonders handlungsprĂ€gend: der Kindermord von Bethlehem) lassen sich, wenn auch etwas variiert, wiedererkennen – sicher aber nur von schulischen Zielgruppen, denen sie bereits aus der Bibel vertraut sind. Als ein junger Mensch, der mit einer außergewöhnlichen VorprĂ€gung leben lernen muss und große Fragen an das Leben hat – dieser Jesus wird womöglich einiges an Identifikationspotential bereithalten. Der Film bemĂŒht sich in durchaus frommer Orientierung , Jesus als großen Menschenfreund und friedensliebend/gewaltfrei darzustellen – zu einer Filmdramaturgie gehören aber natĂŒrlich schon auch Kampfszenen und unschöne Auseinandersetzungen. Die vom biblischen Jesus gepredigte Änderung der Lebenseinstellung (“Tut Buße..”) wird seelisch besonders deutlich am römischen Zenturio zu zeigen versucht: schon als Kind hat der Heiland eine machtvolle Ausstrahlung, die zwar nicht lammfromm macht, aber immerhin auch die Staatsmacht irritieren kann. Als großer Gegenspieler wird geheimnisvoll ein blondierter blauĂ€ugiger Teufel in Szene gesetzt – fĂŒr Orientalen muß ein solcher wohl so aussehen und angesichts des bei Jesus durchaus dualistisch anzunehmenden Weltbildes ist eine solche Figur sachlich legitim. Fantasy-Bestsellerautorin Anne Rice, die zu ihrer irisch-katholischen PrĂ€gung zeitweise nicht nur positiv steht, lieferte mit “Out of Egypt” (2005, dt. Jesus Christus. RĂŒckkehr ins Heilige Land, 2007) die Buchvorlage zum Film. Obwohl der Hauptdarsteller ein Kind ist: die Relevanz dieses Jesusbildes dĂŒrfte sich erst ab Ende Sek. I erschließen -in kritisch-vergleichender Absicht durchaus lohnend. Filmkritik bei epd-Filmdienst (21.04.2016)

 

➡ Buchtipp: Der  Sammelband “Jesus als Christus – im Religionsunterricht. Experimentelle ZugĂ€nge zu einer Didaktik der Christologie” (hgg. Rudolf Englert, Friedrich Schweitzer, Göttingen 2017) beinhaltet einen 15seitigen Beitrag von Reinhold Zwick “Opferlamm und Weltenretter. Jesus Christus im Film” (fĂŒr dieses Thema wertet er insbes. Fantasy-Verfilmungen  wie “Der König von Narnia”, “Harry Potter” und “Herr der Ringe” aus).


Michael Beisel

Pfr. Michael Beisel ist Lehrkraft fĂŒr Evang. Religion am Beruflichen Bildungszentrum Ettlingen.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.